
„Wir sind die Nummer 2 in Luxemburg“
Christian Muller
Die im Lebensmittelhandel tätige Geschäftskette Delhaize ist weiter auf Expansionskurs in Luxemburg. Neben drei neuen Geschäftsstellen, die 2010 eröffnet wurden, bietet Delhaize seit letztem Jahr ebenfalls die Möglichkeit, Einkäufe per Internet zu tätigen.
„Innerhalb von sechs Monaten sind wir beim e-commerce zur Nummer eins aufgestiegen, was Lebensmittel angeht“, so Patrick Verhamme, zuständig für Delhaize in Luxemburg, gegenüber dem Tageblatt.
In Belgien bietet Delhaize das Einkaufen per Internet bereits seit Juni 2009 an, so Louis Martin, zuständig für e-commerce bei Delhaize in Belgien und Luxemburg. „Und das System hat Erfolg – wir zählen mehrere tausend Kunden pro Woche.“
In Luxemburg wird die neue Dienstleistung seit Dezember 2010 angeboten. Hierzulande habe man bereits mehrere hundert Kunden pro Woche, so Martin. Um wie viele Kunden es sich genau handelt, oder wie hoch der Umsatz ist, wollte er nicht mitteilen, um es vor der Konkurrenz geheim zu halten. Aber, „der Start war sehr gut“, meinte er.
Zudem habe man festgestellt, dass etwa die Hälfte der Internet-Kunden neue Kunden seien, die vorher nicht bei Delhaize einkauften. Die anderen hätten einfach das Geschäft durch die Webseite ersetzt. Auch kauften sie die gleiche Arten von Produkten, wie im Geschäft – selbst viele frische Waren, so Martin.
Zwei Arten von Kunden würden auf diese neue Dienstleistung zurückgreifen, so Verhamme. Einerseits Büroarbeiter, die viel Zeit im Internet verbringen, und auf dem Nachhauseweg ihre Einkäufe abholten. „Das sind sowohl Luxemburger als auch Grenzgänger“, unterstreicht er. Die zweite Art von Kunden seien Mütter mit Kindern, die sowohl den Zeitgewinn als auch die bereits vorbereitete Bestellung schätzen würden.
Drei neue Geschäfte
Neben dem Eintritt ins Internetgeschäft hat Delhaize 2010 auch seine Präsenz in Luxemburg weiter ausgebaut.
Neue Geschäfte wurden in Esch-Belval, Differdingen und Rodange eröffnet. Insgesamt „haben wir unseren Marktanteil auf 21,5 Prozent ausgebaut“, so Patrick Verhamme. Damit sei Delhaize zur Nummer zwei im Lebensmittelgeschäft in Luxemburg aufgestiegen.
„Mit 38 Geschäften in Luxemburg sind wir endlich sichtbar geworden. Das gab es vor fünf Jahren noch nicht.“ Damals zählte Delhaize rund 20 Verkaufsstellen in Luxemburg. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Mitarbeiterzahlen wieder. Landesweit beschäftigt die Gruppe etwa 500 Mitarbeiter direkt. Wenn man die Mitarbeiter der Geschäfte hinzuzählt,die unter dem Namen Delhaize funktionieren, jedoch einen privaten Besitzer haben, steige die Zahl um weitere 300 Personen.
Doch 38 Geschäfte sind noch nicht genug. Allein in diesem Jahr plant Delhaize, drei weitere zu eröffnen, davon ein Geschäft am 17. Juni in Strassen, und ein weiteres in Dudelingen.
Und auch in Zukunft soll die Expansion weitergehen. „Es gibt noch Dörfer und Städte, in denen wir nicht präsent sind“, so Patrick Verhamme. Dabei denkt er an Diekirch, Mondorf oder auch das Zentrum der Stadt Luxemburg.
„Wir sehen ein Potenzial von zwei bis drei zusätzlichen Geschäften pro Jahr in den kommenden Jahren“, so der 40-jährige Belgier, der seit zwei Jahren das Geschäft von Delhaize in Luxemburg leitet. Vorher war er während fünf Jahren in Brüssel Einkaufsdirektor der Gruppe für frische Produkte.
„Letztes Jahr ist der Umsatz allein in den bestehenden Geschäften um drei Prozent gewachsen“, erklärt er. Damit wachse Delhaize schneller als der Markt. Als Schlüssel des Erfolges sieht er einerseits das Preis-Leistungs-Verhältnis in den Geschäften, sowie die Politik, Verkaufsstellen nahe bei den Kunden zu betreiben.
Das e-commerce-Konzept von Delhaize
Das e-commerce-Konzept des belgischen Konzerns ist überaus einfach. Der Kunde sucht auf dem Internet die Webseite eines Geschäfts in seiner Nähe, wählt die Produkte aus und gibt dann eine Zeit an, wann er die Waren abholen will. Zahlen muss der Kunde erst, wenn die Einkäufe in seinen Wagen geladen werden.
Der Preis ist der gleiche wie beim traditionellen Einkauf im Geschäft – zuzüglich einer maximalen Bearbeitungsgebühr von 4,5 Euro.
Die Gebühr entfällt bei Einkäufen von mehr als 150 Euro.
Der Kunde kann die Waren jedoch nicht in jedem Delhaize-Geschäft abholen. Hintergrund ist die Notwendigkeit einer speziellen Infrastruktur vor dem Geschäft. So braucht es eine eigene Kasse und einen eigenen Kühlschrank.
Bisher bietet Delhaize nur vier Möglichkeiten zum Abholen an: Bartringen, Esch-Belval, Schmiede und Walferdingen.
„Im Juni werden noch Alzingen und Strassen hinzukommen“, so Louis Martin, zuständig für e-commerce bei Delhaize in Belgien und Luxemburg.
Derzeit ist die Webseite nur auf Französisch vorhanden. In Zukunft soll deutsch hinzukommen.
Die Möglichkeit, Waren nach Hause zu bringen, bietet Delhaize in Belgien an, jedoch – zumindest vorerst – nicht in Luxemburg. Selbst in Belgien sei der Markt hierfür sehr klein, so Martin. Zudem habe dieses System den Nachteil, dass Kunden mehre Stunden zu Hause sein müssten, um die Waren bei der Lieferung entgegenzunehmen.
Die Gruppe
Der erster Delhaize-Supermarkt wurde im Jahr 1883 in Charleroi in Belgien eröffnet.
Heute ist der Konzern in Brüssel und in New York an der Börse notiert. Die Gründerfamilien halten noch 20 bis 25 Prozent der Anteile.
Delhaize ist unter anderem in den USA, Rumänien, Indonesien, Griechenland, Belgien, Luxemburg, Serbien und Montenegro tätig.
Der Konzern erwirtschaftete 2010 einen Umsatz von 20,8 Milliarden Euro, davon über 60 Prozent in den USA. „1970 hatten wir dort sechs Geschäfte gekauft – heute sind es 1.500“, so Patrick Verhamme.
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